Der Rohertrag ist der Teil des Umsatzes, der nach Abzug der Kosten für die verkaufte Ware übrig bleibt. Daraus bezahlt der Betrieb noch Miete, Personal, Versand und weitere Kosten.
Der Gewinn wird erst berechnet, nachdem weitere Kosten abgezogen wurden. Welche Kosten dabei berücksichtigt werden, hängt davon ab, welche Kennzahl gemeint ist, zum Beispiel Betriebsergebnis oder Jahresüberschuss.
So berechnen Sie den Rohertrag
Die einfache Formel lautet:
Rohertrag = Umsatzerlöse − Wareneinsatz
Der Wareneinsatz umfasst die Kosten der Ware, die im betrachteten Zeitraum verkauft wurde. Er entspricht deshalb nicht automatisch den Einkäufen desselben Zeitraums: Ware, die noch auf Lager liegt, wurde noch nicht verkauft. Für eine vereinfachte Berechnung gilt:
Wareneinsatz = Anfangsbestand + Wareneinkäufe − Endbestand
Berechnen Sie alle Werte auf derselben Grundlage, zum Beispiel netto, also ohne Umsatzsteuer.
Der Rohertrag zeigt, wie viel für die übrigen Kosten und den späteren Gewinn bleibt. Er sagt allein noch nicht, ob der Handelsbetrieb profitabel ist.
Kosten nach dem Rohertrag
Aus dem Rohertrag bezahlt der Betrieb auch die übrigen Kosten. Welche Kosten anfallen und wie hoch sie sind, hängt unter anderem davon ab, ob er ein Ladengeschäft, einen Onlineshop oder beides betreibt. Typische Kosten sind:
- Personal: Löhne, Gehälter und Sozialabgaben
- Räume und Betrieb: Miete, Heizung, Strom und Lagerkosten
- Verkauf und Versand: Verpackung, Porto, Plattform- und Zahlungsgebühren sowie Retouren
- Werbung und Verwaltung: Anzeigen, Buchführung, Steuerberatung, Telefon und Büromaterial
- Anlagen und Finanzierung: Abschreibungen auf betriebliche Anlagen sowie Zinsen für Kredite
- Weitere laufende Kosten: etwa Versicherungen, Beiträge und Entsorgung
Ein Onlineshop zahlt beispielsweise Versand- und Plattformgebühren. Bei einem Ladengeschäft fallen dagegen Miete und Kosten für die Verkaufsräume stärker ins Gewicht. Diese Kosten verringern den Betrag, der nach Abzug aller Kosten als Ergebnis übrig bleibt.
Vom Rohertrag zum Gewinn
Nach den weiteren Betriebskosten werden noch Zinsen und Steuern berücksichtigt, bevor der Jahresüberschuss feststeht. Deshalb entspricht der Rohertrag nicht dem Gewinn des Betriebs.
Das Betriebsergebnis zeigt das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit, nachdem die dafür angesetzten Kosten abgezogen wurden. Je nach Darstellung und Rechnungslegung werden danach weitere Posten berücksichtigt, zum Beispiel Zinserträge, Zinsaufwendungen und Ertragsteuern. Der Jahresüberschuss bezeichnet bei Kapitalgesellschaften das Ergebnis nach den in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Aufwendungen und Steuern. Umgangssprachlich wird „Gewinn“ oft für verschiedene dieser Stufen verwendet. Für einen Vergleich sollten Sie deshalb immer angeben, welche Kosten bereits abgezogen sind.
Rohertragsquote und Handelsspanne vergleichen
Für eine einfache Analyse lässt sich der Rohertrag ins Verhältnis zum Umsatz setzen:
Rohertragsquote = Verhältnis von Rohertrag zu Umsatzerlösen
Diese Quote gibt an, welcher Anteil der Umsatzerlöse nach Abzug des Wareneinsatzes übrig bleibt. Eine Handelsspanne kann auch anders berechnet werden, etwa im Verhältnis zum Einkaufspreis. Achten Sie bei Prozentangaben deshalb auf die Bezugsgröße. Eine höhere Rohertragsquote allein bedeutet außerdem nicht, dass der Gesamtbetrieb rentabler ist: Hohe Raum-, Personal- oder Vertriebskosten können den Vorteil aufzehren.
Vergleichen Sie auch nur Werte mit derselben Abgrenzung. Netto- und Bruttobeträge dürfen nicht gemischt werden. Bei Kapitalgesellschaften weist die Gewinn- und Verlustrechnung Umsatzerlöse nach den handelsrechtlichen Vorgaben aus; eine vereinfachte betriebswirtschaftliche Rechnung dient der Orientierung und ersetzt keine Buchführungs- oder Steuerberatung.
